Laufende Therapiestudien für Patienten mit Endokriner Orbitopathie

Anja Eckstein und Michael Oeverhaus, Orbitazentrum Universitäts-Augenklinik Essen

2017 und 2020 wurden die Ergebnisse zweier randomisierter Placebo kontrollierter Studien zum Einsatz von einem Antikörper Teprotumumab, der den Insulin-like growth factor 1-Rezeptor (= IGF1R) blockiert zur Therapie der endokrinen Orbitopathie im New England Journal of Medicine publiziert. Die Blockade dieses Wachstumsfaktors führte bei Patienten mit einer frischen (nicht älter als 9 Monate) aktiven endokrinen Orbitopathie zu hervorragenden Ergebnissen. Bei der Auswertung des primären Endpunkts 24 Monate nach Beginn der Therapie ging der Exophthalmus bei den behandelten Patienten im Durchschnitt um 3 mm zurück. Einen Exophthalmus Rückgang von mindestens 2 mm oder mehr erreichten über 80 % der Patienten. Auch die Augenbewegungsstörungen sprach gut auf die Therapie an: Hier besserten sich 60 % der Patienten. So ein signifikanter Therapieerfolg wurde mit den bisher eingesetzten immunsuppressiven Medikamenten nicht unbedingt immer erreicht. Wie in der Medizin üblich gibt es keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Der Wachstumsfaktor IGF1 ist an vielen Stellen des Körpers wirksam, insbesondere natürlich während des Wachstums im Kindesalter. Er hat aber auch noch wichtige Funktionen im Erwachsenenalter unter anderem für die neuronale Regeneration. Deshalb können Patienten Hörstörungen entwickeln, wenn der IGF1R blockiert wird. In den Studien war das bei 10-14 % der Patienten der Fall. Auch kann der Blutzuckerspiegel durch die Therapie ansteigen, so dass Diabetiker engmaschig kontrolliert werden müssen. Da aber auch bei den in der Leitlinie vorgeschlagenen First-Line und Second-Line immunsuppressiven Therapien ein signifikantes Nebenwirkungsprofil besteht, muss man für den einzelnen Patienten den Einsatz der Medikamente individuell abwägen.

Aktuell kann man in Deutschland eine IGF1R blockierende Therapie nur im Rahmen von Studien erhalten. Eine Studie mit Teprotumumab (intravenöse Gabe), in die Patienten bis zu sieben Jahre nach Krankheitsbeginn eingeschlossen werden können, läuft bereits an 4 deutschen Zentren (Essen (Uniklinik), Mainz (Uniklinik), Münster (Uniklinik), Tübingen (Uniklinik)). Eine weitere Studie mit einem in Tablettenform verfügbaren IGF1R Blocker Linsitinib wird auch bald beginnen. Sie wird an 3 deutschen Zentren laufen: Essen (Uniklinik), Frankfurt (Bürgerspital), Mainz (Uniklinik).

Genauso wichtig wie die Blockade der Wirkung der Autoantikörper durch die IGF1R blockierenden Substanzen ist auch die Behandlung des überaktivierten Immunsystems, so dass die Autoimmunreaktionen gestoppt wird. Dieses Ziel wird im Moment im Rahmen einer weiteren Therapiestudie verfolgt. Hier wird der Effekt von Secukinumab, einem monoklonalen Antikörper, der den Botenstoff Interleukin-17A neutralisiert und dadurch die Autoimmunreaktionen im Körper vermindert, getestet. Diese Studie läuft an folgenden deutschen Zentren: Essen (Uniklinik), Frankfurt (Uniklinik und Bürgerspital), Freiburg (Uniklinik), Göttingen (Uniklinik), Leipzig (Uniklinik), Mainz (Uniklinik), München (Uniklinik).

Wenn Sie eine Behandlung mit einem Studienmedikament wünschen, müssen sie sich an die Studienzentren wenden. Die Kontaktdaten finden Sie meist auf der Homepage der teilnehmenden Klinik. Wichtig ist, dass Sie wissen, dass Sie bei einer Studienteilnahme ganz regelmäßig meist alle 2-3 Wochen in die behandelnde Klinik kommen müssen und mindestens einen halben Tag pro Behandlung einplanen müssen. Denn die Studienzentren müssen die ICH-GCP GRUNDSÄTZE DER GUTEN KLINISCHEN PRAXIS sehr genau einhalten und für ihre Sicherheit werden viele Laborproben untersucht und immer eine genaue körperliche Untersuchung durchgeführt. Die Fahrtkosten werden dabei meist übernommen und es gibt auch immer eine Verzehrpauschale.

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